Zeitungsbericht Main-Spitze vom 13.12.2003 (Michael Vogt)
Mit einem Appell meldet sich "Meerschweinchen in Not". Der vor zwei Jahren gegründete Verein, in dem inzwischen mehr als 40 Tierschützer zusammengefunden haben, bittet vom Verschenken lebendiger Weihnachtsgeschenke abzulassen.
Man dürfe nicht niedliche Tiere verschenken, für die sich nach geraumer Zeit kein Familienmitglied oder zu wenige interessierten, die spätestens zum Sommerurlaub als lästig betrachtet und auf diese oder jene Weise wieder"entsorgt" würden, mahnt die Vorsitzende, Tina Teubler. "Jetzt sollte man überhaupt keine Tiere verschenken. Weihnachten ist ein sehr emotionales Fest. Von zeitweilig vorherrschenden Stimmungen darf es aber nicht abhängen, ob man sich Tiere zu Hausgenossen macht."
Teubler empfiehlt, sich jetzt durchaus so etwas zu überlegen, aber erst einmal Allergien auszuschließen, sich überhaupt gut zu informieren, dann vielleicht schon Utensilien anzuschauen, die man für die Haltung braucht. "Die eigentliche Entscheidung aber sollte man nach solchen besonderen Tagen treffen. Um sich klar zu werden, ob man das schafft, ob die ganze Familie so dazu steht, dass immer jemand da sein wird, sich um das Tier zu kümmern." Urlaubs- und Krankheitsvertretungen leistet der Verein gegen geringes Entgelt.
Zehn Jahre hatte sich Teubler im Tierschutzverein engagiert, bald auch ehrenamtlich mit anderen um Kleintiere im Heim gekümmert, als sie mit Marina Ranzenberger und weiteren Mitstreitern beschloss, darüber hinaus etwas für die ursprünglich aus Peru stammenden Meerschweinchen zu schaffen. Hatten sie auch vorher schon mal Meerschweinchen, Hund, Katze bei sich daheim aufgenommen, fanden die Mitglieder nach der Gründung nicht bloß gelegentlich ein Päckchen vor der Haustür, sie hatten Flutwellen zu bewältigen: Im Sommer kamen gleich 70 Meerschweinchen zusammen. "Das Tierheim hat uns so manches Mal kräftig unterstützt", lobt Teubler.
Trotzdem: In Hochzeiten fehlt es noch immer an Pflegestellen, weitere Mitstreiter sind also willkommen. "Mitgliedschaft ist dabei kein Muss", stellt Teubler klar. Dabei beträgt der Beitrag ohnehin nur 15 Euro im Jahr.
Die Meerschweinchenflut hat einen Grund in der Popularität der Tierchen. Was macht sie so beliebt? "Ihre Possierlichkeit, aber auch ihre Intelligenz", schwärmt Teubler. "Sie zu beobachten, ist ein Vergnügen", fährt sie fort und gibt zu, dass man verrückt nach ihnen werden kann. Oft mit schlimmen Folgen. Die Mitglieder haben es bei Rettungsaktionen immer wieder mit Misshandelten zu tun. Und mit Tieren, die falsch gehalten wurden, wie im Sommer, als sie auf Hinweis mitfühlender Menschen Dutzende von Meerschweinchen holten. Tiere zu sehen, die auf Steinplatten gehalten wurden und unter schlimmsten orthopädischen Folgen leiden, aufgrund "robuster" Behandlung Brüche oder innere Verletzungen haben, falsch ernährt wurden, tut den Tierschützern weh, aber sie können meist helfen oder Hilfe vermitteln. Auch Verwachsungen nach Inzuchten sind häufig. Dabei hätten es Meerschweinchenliebhaber so einfach: Im Internet gibt`s Hinweise (www:meerschweinchen-in-not.de). Unter meerschweinchen.in.not(at)t-online.de ist man erreichbar. Mitglieder freuen sich, Tipps zu geben, machen auf Wunsch gern auch Hausbesuche. "Keine Frage ist dumm. Welche Rasse ist das? Habe ich da Männlein oder Weiblein?"
Meerschweinchen brauchen Artgenossen. "Wer denkt, er selbst, ein Hase, ein anderes Tier reichten auch, irrt furchtbar." Der Verein hilft bei der Partnersuche. Wer Nachwuchs will, sollte sich vorhandenen holen, beim Verein, im Heim, nie selbst züchten, so Inzuchten fördern, unvereinbare Rassen kreuzen, in jedem Fall die viel zu hohe Zahl der Tiere noch erhöhen. "Übrigens werden Meerschweinchen acht bis zehn Jahre alt. Solche aus der Massenzucht sterben nach vier bis fünf Jahren."
zurück
