Zeitungsbericht Rüsselsheimer Echo Mai 2002
Im Meerschweinchenparadies angekommen
Das Meerschweinchen kann so wunderbar sein in dieser Welt. Begeistert wühlen Bobby, Willi, Tammi, Giovanni, Jule und Anna im Heu, nagen an ihren Karotten und geben sich zweckfreien Neckereien hin. Bei schönem Wetter flitzen sie mit 30 Artgenossen durch den Garten. Doch das Leben war nicht immer so idylisch für die Nager, die im Hinterhaus von Tina Teubler einstweilen eine neue Bleibe gefunden haben. Das Klingelschild in der Taunustraße 25 verrät schon: "Meerschweinchen in Not e.V."
Bereits vor acht Jahren begann Tina Teubler, obdachlos gewordene oder misshandelte Kleintiere aufzunehmen. Schon damals tummelten sich bei ihr Kanichen, Mäuse, Hamster und eben auch Meerschweinchen. "Ich kann es einfach nicht mit ansehen, wenn es den Tieren schlecht geht", sagt die 33-jährige.
Als "absoluter Meerschweinchenfan" hat sie inzwischen eine Grenze gezogen und nimmt nur noch ihre Lieblinge auf. Die Katze und die beiden Hunde sind einverstanden mit den zahlreichen Mitbewohnern. Ehemann Michael hat die mit Holzhäuschen und raffinierten Verbindungstüren ausgestatteten Käfige gezimmert, die Töchter Lisa (6) und Milena (3) helfen beim Füttern.
Beim Meerschweinchen schwärmt Tina Teubler, da stimmt einfach alles: Es ist gesellig und meist gut gelaunt, lebhaft und putzig und dazu noch intelligent. Mit Gleichgesinnten hat Tina Teubler vor einigen Wochen den Verein "Meerschweinchen in Not" gegründet mit dem Ziel, in die Misere geratene Vierbeiner aufzunehmen, aufzupäppeln und für sie ein neues, liebevolles Zuhause zu finden. 21 Mitglieder zählt er inzwischen. Auch Patenschaften und Urlaubsunterkünfte vermittelt der Verein.
Darüber hinaus wollen die aktiven Mitglieder Berater in Fragen rund ums Meerschweinchen sein. Auf ihrer Internetseite stellen sie ihre Tiere vor und geben Ratschläge. Zum Beispiel den, dass das Meerschweinchen unbedingt mit mindestens einen Artgenossen zusammenleben sollte, weil es sonst vereinsamt. Einfach zum Anbeißen sehen die drolligen Nager aus, wenn sie mit ihren rosa Schnuten schnuppernd die Menschen begrüßen, die den Raum mit den 13 Käfigen betreten. So ähnlich muß wohl auch die Schlange gedacht haben, die den wuscheligen Giovanni gerne verspeist hätte. Dass er nicht im zarten Alter sein Leben als Reptilienfutter lassen mußte, verdankt er einer Rettungsaktion des Vereins. Silberpfeil und Snow fristeten ein Dasein in ärmlichsten Verhältnissen in einem Privatzoo, bevor sie in das kleine Spezialtierheim kamen. Andere Meerschweinchen erblickten als ungeplanter Nachwuchs das Licht der Welt oder haben das Schicksal des langweilig gewordenen Kinderspielzeugs hinter sich. Willi wurde von unsensiblen Kinderhändern so traktiert, dass er noch immer blitzartig in seinem Häuschen verschwindet, sobald ein Fremder sich nähert. Vier der Vereinsmitglieder nehmen Meerschweinchen bei sich zu Hause auf.
Manche Tiere werden dort bis zum Ende ihrer Tage bleiben, weil sie einfach zu alt sind, als dass sich noch mal jemand für die interessieren könnte. Meerschweinchen werden etwa sechs Jahre alt. Die Kosten für den Tierarzt, für Futter und Pflege bezahlen die Tierfreunde weitgehend aus eigener Tasche. Deshalb hoffen sie auf noch mehr Menschen, die das Engagement durch ihre Mitgliedsbeiträge, durch Spenden oder auch durch die Patenschaft für ein Meerschweinchen unterstützen. Mehr Informationen dazu gibt es bei Tina Teubler unter der Telefonnummer xxx oder im Internet unter der Adresse www.meerschweinchen-in-not.de
Quelle: Rüsselsheimer Echo
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